Posts mit dem Keyword "Change Management"

Change.jpgIm Rahmen ihres Sharepoint-Vortrags gab Judith Schütz auch eine kleine Einführung in das Thema Change Management. Während das den Consultants unter uns sicher ein sehr geläufiger Begriff ist, war mir die hilfreiche Erklärung von Judith Schütz diesen Eintrag wert. Vielleicht hilft es Euch ja auch:

Change Management hat viele Bedeutungen und kann unter anderem mit „Organisationsentwicklung“ übersetzt werden. Die Entwicklung einer Organisation ist normalerweise kein demokratischer Prozess, sondern eine klassische Führungsaufgabe des Managements. D.h. die Vorgaben wohin das Unternehmen geht, macht der “Chef”, nicht das Team. Ein kluger Chef wird aber sein Team fragen, wie das Ziel am besten zu erreichen ist.

Jeder „Change“ oder jede Veränderung ist immer mit einer ordentlichen Portion Unsicherheit verbunden, die man aushalten und vor allem auch an die Mitarbeiter kommunizieren muss. Man soll Sicherheit und Klarheit vermitteln ohne zu verbergen, dass sich während des Prozesses durchaus noch Änderungen ergeben können (Formel: „Wir haben geplant, dass…“)

Widerstände gegen den Veränderungsprozesses werden mit ziemlicher Sicherheit auftreten. Diese kommen von Versagensängsten der betroffenen Mitarbeiter: jeder hat Angst, seine Arbeit in Zukunft nicht mehr so wie bisher bewältigen zu können. Ein guter Change Manager versteht es, diese Ängste in Dynamik umzuwandeln, die den Wechsel unterstützt.

Dabei ist das Gedankenmodell der 4 Zimmer des Change Managements hilfreich, das das emotionale Grundmuster von Personen, die einen Wandel durchlaufen, beschreibt:

  1. Zunächst befinden sich die Mitarbeiter im Zimmer der Zufriedenheit. Dieses Zimmer entspricht dem Alltag; alles ist bekannt und organisiert. Es wird zwar gejammert aber eigentlich will niemand raus. Um die Mitarbeiter aufzurütteln, muss man schon die gravierenden Nachteile des Jetzt den erwarteten Vorteilen der vorgesehenen Veränderung gegenüberstellen und sehr genau erklären, was man sich von den Veränderungen verspricht.
  2. Ist das Projekt erst einmal angestoßen, aber noch nicht bei den Menschen angekommen, befinden sich diese im Zimmer der Verdrängung. D.h. das „Problem“ wird ignoriert nach dem Motto: „Ach, bis jetzt ist noch jedes neue IT-System wieder eingestellt worden.“ Jeder hält sich erstmal bedeckt, denn es besteht die Angst, dass die Mühe, die in den bisherigen Arbeitsplatz geflossen ist, umsonst war, wenn das „Neue“ kommt.
  3. Wenn dann langsam die Arbeit mit dem neuen System anfängt (weil es sich nicht mehr vermeiden lässt), stolpern die User in das Zimmer der Verwirrung. Vieles funktioniert nicht wie gewohnt, manches war anders gewünscht, es herrscht Desorientierung und Lähmung. Es finden viele Meetings statt, in denen Anschuldigungen ausgetauscht werden. Selbstzweifel machen die Runde („bin ich gut genug?“).
  4. Nach den ersten kleinen Erfolgserlebnissen schaffen es einige User ins Zimmer der Erneuerung. Sie sind stolz, ihre Aufgaben nun mit dem neuen System besser erledigen zu können.

Der Gang durch die Zimmer verläuft selten linear aber es gibt keine Abkürzungen. Die Mitarbeiter werden häufig vor und zurück pendeln. Zur optimalen Unterstützung sollten sie immer durch Coaches begleitet werden. Die Coaches müssen beachten, dass sie die Mitarbeiter je nach „Entwicklungsstadium“ anders ansprechen, denn es gibt immer welche, die weiter fortgeschritten sind als andere.

  • Um User aus dem Zimmer der Zufriedenheit aufzuschrecken, muss die Notwendigkeit des Wandels bewusst gemacht werden.
  • User im Zimmer der Verdrängung benötigen erstmal Anerkennung für Ihre bisherigen Leistungen (”Toll was du gemacht hast; wie könnte man das in die zukünftigen Entwicklungen integrieren?”). Man muss Mitgefühl zeigen, dass die Leute schon wieder etwas neuen machen müssen.
  • Im Zimmer der Verwirrung benötigen die Leute v.a. die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches mit anderen Usern; “Wie geht es Dir?”, “Wie hast Du das gelöst?” Ihnen muss Mut gemacht werden; auch bei kleinen Erfolgen!
  • Im Zimmer der Erneuerung brauchen die User Schulungen, Nachschulungen, Evaluationen („Was läuft gut, was fehlt noch?“). Nicht zu lange warten, da ansonsten niemand mehr an Verbesserungen denkt!

Für uns PMs ist dieses Gedankenmodell eine gute Hilfe, wenn es gilt. neue IT-Systeme in Unternehmen einzuführen oder generell, wenn Mitarbeiter, Kunden, Kollegen sich auf eine Veränderung einstellen sollen. Dann wird aus jedem von uns ein kleiner Change Manager, der die vier Zimmer im Hinterkopf haben sollte.

PS: Die vier Zimmer helfen auch, eigene Verhaltensweisen angesichts bevorstehender Veränderungen besser zu verstehen. Probiert’s mal aus…