
Heute habe ich endlich ein Buch fertig gelesen, das mich ein Vierteljahr beschäftigt hat: „Die Mondscheinsucher – Mathematiker entschlüsseln das Geheimnis der Symmetrie“ von Marcus du Sautoy (im Original „Finding Moonshine“).
Du Sautoy schildert die bewegte Geschichte der Mathematik anhand seines eigenen Fachgebiets, der Gruppentheorie oder laienhaft ausgedrückt, der Symmetrieforschung. Das ist überraschend interessant, denn hinter den ganzen obskuren Formeln, die wir alle in der Schule zur Lösung von Gleichungen 2. oder 3. Grades (also x², x³ usw.) gelernt haben, stehen menschliche Dramen – angefangen bei den armen Mathematikern früherer Jahrhunderte, die keine geeigneten mathematischen Werkzeuge hatten bis hin zu jenen, denen der Ruhm für die Entdeckung einer Formel verwehrt blieb. Darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht und ich habe oft gedacht, dass die eine oder andere Anekdote aus dem Buch den Schulunterricht sicher auch für Matheallergiker interessanter gemacht hätte.
Die Abschnitte zur Symmetrieforschung sind auch ganz interessant, aber verstanden habe ich diese – anfangs einfache und später unglaublich komplexe Thematik – nicht wirklich. Es geht darum, symmetrische Objekte (also z.B. einen Würfel) zu bestimmen bzw. die Symmetrien von Objekten zu zählen (die so genannten Gruppen). Leider gibt es nicht besonders viele praktische Anwendungen dieser Forschung im Alltag eines normalen Menschen. Die Symmetrieforschung dient eher als Grundlagenforschung für Mathematiker und Physiker.
Die Gruppentheoretiker, von denen im Buch die Rede ist, haben ihr ganzes Leben der Suche nach Symmetriegruppen verschrieben. Die Zahl dieser Gruppen ist endlich und bis alle gefunden waren vergingen Jahrhunderte. Erst vor 30 Jahren war die Suche mit der Entdeckung des so genannten “Monsters” abgeschlossen – ein supersymmetrisches Objekt im 196883-dimensionalen Raum). Es brauchte einige sehr skurrile Typen und enormen Einsatz, um in diese mathematischen Sphären vorzudringen. Allein mal gesehen zu haben, zu welchen gedanklichen Leistungen diese Wissenschaftler fähig sein, hat das Buch für mich lesenswert gemacht.
Ach ja, was der Mondschein ist? Nun, das steht im letzten Kapitel des Buches, d.h. wer sich das Vergnügen nicht verderben will, sollte nicht weiterlesen.
Vor etwa 10 Jahren wurde die Verbindung des Monsters bzw. der Gruppentheorie mit der Stringtheorie aus der Physik nachgewiesen, welche wiederum Relativitätstheorie und Quantenphysik miteinander verbindet. Diese Verbindung ist sehr mysteriös und lässt einige Wissenschaftler darüber spekulieren, ob hier eines der inneren Geheimnisse des Universums zutage gefördert worden ist. Das „Monster“ so sagen sie, hat wie der Schein des Mondes, ein wenig Licht auf die verborgenen Geheimnisse des Universums geworfen.
Du Sautoy ist Mathematikprofessor an der Universität Oxford und seit Oktober 2008 Nachfolger von Richard Dawkins als „Professor for the Public Understanding of Science“.



