Posts August 2006

berries.jpgVor kurzem habe ich im Affekt ein Buch von Daniel Gilbert gekauft, nachdem ich auf dem TED Blog eine geradezu euphorische (typisch amerikanische!) Rezension davon gelesen hatte. Das Buch heißt Stumbling on Happiness und ist inzwischen auch auf Deutsch erschienen.

Daniel Gilbert ist Psychologieprofessor in Harvard und beschäftigt sich mit der Frage, wie gut Menschen ihr eigenes Glück bzw. ihre eigenen Gefühle vorhersagen und beeinflussen können. “Think you know what makes you happy?” ist die Ausgangsfrage des Buchs.

Anhand dutzender Studien zeigt er Schritt für Schritt, wie fehlerhaft die menschliche Wahrnehmung ist, wenn es darum geht vorherzusagen, wie wir uns in Zukunft fühlen werden. Beispielsweise berücksichtigt unser Gehirn nicht alle Fakten, wenn es das eigene Befinden antizipiert und lässt sich vom gegenwärtigen Befinden leiten (wenn man satt ist, kann man sich nicht vorstellen wieder hungrig zu sein).

In dem Buch geht es NICHT um die Frage, wie man glücklich wird, sondern vielmehr um die Tücken der menschlichen Wahrnehmung der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Man lernt mit seiner eigenen Wahrnehmung etwas besser umzugehen und das kann ja nichts schaden (gerade als Projektmanager).

Als einzigen Weg möglichst akkurat seine eigenen Gefühle in einer bestimmten Situation vorherzusagen empfiehlt er, andere Personen zu fragen, die gerade JETZT diese Situation erleben. Leider machen das aber die wenigsten, da sich jeder Mensch für etwas besonderes hält und meint, seine Gefühle seien garantiert nicht identisch mit denen einer anderen Person.

Manchmal ist das Buch etwas flach, weil viele Studien nur sehr kurz beschrieben werden, aber ansonsten ist es absolut zu empfehlen, wenn man beim nächsten Abendessen mit Freunden ein paar leicht verdauliche und erstaunliche wissenschaftliche Fakten zu erzählen haben will.

PS: Mir fällt gerade ein, dass es laut Gilbert auch eine Tücke der menschlichen Wahrnehmung ist, dass wir immer alles extrem verkürzt darstellen, und dabei wichtige Details außer Acht lassen. Wer also genau wissen will, wie ich mich gefühlt habe, als ich das Buch gelesen habe, hätte mich schon dabei fragen müssen und kann sich nicht auf meine obige, extrem gekürzte Rezension verlassen. Tja…

 

Das schreit nach einem Link: Teleopolis Web 2.0 Parodie, gefunden von Stefan.

 

Ein Beispiel für ein Falls Ihr mal Lust habt, Eure kreative Ader auszutoben, probiert mal The Exquisite Corpse Game. Das Spiel geht so:
Man faltet zuerst ein Blatt Papier in mehrere Abschnitte. Eine Person fertigt dann auf dem ersten Streifen eine Zeichnung an. Die zweite Person bekommt davon anschließend nur einen kleinen Ausschnitt zu sehen und soll die Zeichnung auf dem nächsten Streifen fortsetzen usw. Am Ende kommen die verblüffendsten Kreationen heraus.

Ich habe es jedenfalls als Kind mit sehr viel Begeisterung gespielt und jetzt bin ich über Flickr auf die digitale Variante gestoßen. Auf der Website An Equisite Corpse sind jede Menge digitaler “Corpses” zu sehen und man kann sogar mitmachen!

An Exquisite Corpse is a collaborative experiment in the creation of visual art through the tapping of the collective unconscious…”

Also nichts wie los… Weiß eigentlich jemand, wie das Spiel auf Deutsch heißt? “Exquisiter Körper” wirds wohl kaum heißen, oder?

 

Im Februar waren Martina und ich ja auf der LIFT-Konferenz (alle Beiträge, Konferenz-Website). Einer der prägendsten Eindrücke war die schiere Menge an Bloggern, die live von Konferenz berichteten und etwa ein Viertel des Publikums ausmachten. Damals bekamen wir eine Vorstellung davon, wie wichtig diese ganze Idee des Grass-Root-Blogging-is-the-real-Journalism-Bla-Bla wirklich ist.

Nun hat aber der Gründer von LIFT, Laurent Haug, anscheinend genug von den Blog-Journalisten, die seiner Meinung nach keinen Mehrwert stiften und die Berichterstattung nur unnötig fragmentieren.

I remember blogging all I could during Reboot7 so my buddies could benefit from the wisdom I was getting. Then blogging got even bigger, and any conference was getting blogged, reblogged and re-reblogged. Where is the value of 30 people reposting the same SubEthaEdit notes to their blog? Nowhere. So this time I was happy to see some “running notes leaders” emerge, most notably Bruno Giussani. The guy is a professional journalist and makes so good notes that it’s useless to compete. Just listen to the presentation and link to him afterwards. The whole debate gets less fragmented. I’m happy.

Außerdem ist ihm aufgefallen, dass er selbst viel weniger von einer Konferenz hat, wenn er alles live mitbloggt. Deswegen möchte er die No-Laptop-Zone bei der nächsten LIFT ausweiten.

Laptops are like attention black holes. My whole experience of a conference depends on the care I am giving the person who is speaking. Why? Because, except for Ben Hammersley and his one-joke-every-twenty-seconds rhythm, conferences like reboot or LIFT are about constructed demonstrations, long arguments, complicated thought processes. If you miss a step you will miss the point. So one small interruption via email of instant messaging can get you off the path of the presentation, and get you lost. Sometimes exposing a killer idea demands to lay some less interesting foundations. If at the first sign of boredom you launch your email, you will miss it. I will push for us to expand the no laptop zone at LIFT07.

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