Basecamp ist ein Projektmanagement-Tool von 37Signals. Die Firma aus Chicago hat in letzter Zeit in der Web 2.0 Community einige Berümtheit erlangt, durch den Erfolg von Anwendungen wie Basecamp, Backpack, Ta-Da Lists - allesamt gut designte, benutzerfreundliche und v.a. schlanke, web-basierte Anwendungen, die AJAX, Tagging, RSS usw. einsetzen.
Alle Tools basieren auf Ruby on Rails, einem Web Development Framework, das von 37Signals entwickelt wurde und derzeit ziemlich gehyped wird. Außerdem hat die Firma auch noch ein Buch zu ihren Leitlinien im Bezug auf Softwarenetwicklung herausgebracht (sehr lesenswert Getting Real) und gibt (teure) Seminare, in denen die Mantras der Firma unters Volk gebracht werden. Kurz gesagt: 37Signals ist angesagt und gut im Geschäft.
Basecamp ist die Vorzeigeanwendung von 37Signals. Das Tool hat nach eigenen Angaben etwa 250.000 User und wurde zunächst nur für den Eigenbrauch der Firma programmiert. Irgendwann wollten die Kunden Basecamp jedoch auch für ihre eigenen Projekte einsetzen und nun kann das Tool von jedermann für 12 bis 99 $ im Monat als “Project Collaboration Tool” eingesetzt werden. (Ich habe die kostenlose Variante ausprobiert, in der die Filesharingkomponente und die Zeiterfassung fehlen.
Die Grundidee der Anwendung ist “Project management is communication” (Kurzfassung) oder “Projects don’t fail from a lack of charts, graphs, or reports, they fail from a lack of communication and collaboration.” (Eine Tatsache, der ich als PM nur zustimmen kann.) Basecamp unterstützt in der Tat hauptsächlich Kommunikation und Kollaboration im Team, im Vergleich zu herkömmlichen Softwares wie Excel und MS Project, die ja nur zur Auswertung von Daten benutzt werden können.
Basecamps Key-Features
- Übersichtsseite
- Messageboards und Writeboards
- To-Do Listen
- Einfache Kalenderfunktionen
- Filesharing (nicht in der kostenlosen Variante)
- Zeiterfassung (nicht in der kostenlosen Variante)
- Rechtvergabe an User
Übersichtseite
Auf der Startseite der Anwendung werden überfällige Milestones rot hinterlegt als erstes angezeigt. Gleich darunter die Milestones, die anstehen. Dann folgt eine “What’s fresh”-Liste, die alle letzten Aktivitäten anzeigt, d.h. hinzugefügte und abgeschlossene To-dos, Kommentare, Writeboard-Updates usw. Alle Projektaktivitäten können per RSS-Feed abonniert werden (Web 2.0 Alert!). Außerdem interessant für den Spion in uns ist die Anzeige des letzten Logins der Projektmitglieder.
Messageboards
In frei definierbaren Kategorien können Nachrichten gepostet werden. Interessant ist, dass die Nachrichten Milestones zugeordnet werden können, d.h. Milestones können direkt mit einer Message abgeschlossen werden!. Außerdem gibt es eine Emailbenachrichtigungs- und Kommentarfunktion.
To-do lists
Einfache To-do-Vergabe an alle Mitglieder bzw. Gruppen des Projekts. To-do-Listen können per Drag and Drop in der Reihenfolge sortiert werden. Eine Filterung nach Personen ist natürlich möglich, genauso wie eine Emailbenachrichtigung.
Milestones
Dieser Menüpunkt ermöglicht das einfache Eintragen von Projektterminen in einen Kalender. Man kann bis zu zehn Meilensteine auf einmal eintragen. Es gibt keine Verlaufsanzeige von To-dos oder Tasks, sondern einfach nur Milestones. Gut: Es wird übersichtlich angezeigt, welche Milestones fällig sind und welche noch anstehen. Nett für Mac-Nutzer: Der Kalender kann im iCal-Format exportiert werden. Emailbenachrichtigung und Zuweisung an bestimmte User sind auch hier möglich.
Writeboards
Writeboards sind so etwas ähnliches wie Wiki-Seiten, die mit einer sehr einfachen Syntax formatiert werden können. Es kann festgelegt werden, wer die Seiten editieren darf. Die Änderungen werden in Versionen mitverfolgt und können mit einer “Compare”-Funktion nachvollzogen werden. Ein Export der Seiten als HTML- oder TXT-Datei ist möglich, genauso wie das Kommentieren. Mir ist allerdings noch unklar, wie man Writeboards in Projekten produktiv einsetzen kann.
Weitere Pluspunkte
- Die Meldungstexte in der Anwendung sind durchweg freundlich und hilfreich (”Just a moment while we load up your Writeboard”, “Every Message needs at least a title”)
- Der Bereich rechts des Contents ist immer gefüllt mit nützlichen Hilfetexten in natürlicher Sprache (”If you’d like to…”), die mir enorm geholfen haben, die kleinen unterstützenden Features der Anwendung zu entdecken.
- Das Design skaliert vollständig und funktioniert auch noch bei starkem zusammenschieben des Browsers. Dennoch wird die ganze Screenbreite ausgenutzt. Cool gemacht.
- Das Design ist über CSS anpassbar und kann gebrandet werden (je nach Payment Plan).
Fazit
Ich würde das Tool gerne einmal in einem echten Projekt ausprobieren. Die Features scheinen mir auf das wesentliche reduziert. Das ganze ist gut erklärt, einfach zu benutzen, schlank und schnell. Die Vorteile mit allen Projektbeteiligten auf so einfache Art und Weise kommunizieren zu können, erscheinen mir plausibel aber das sieht man ja erst, wenn man das ganze mal dem Praxistest unterzogen hat. Wenn ich mich dazu entschlossen habe, werde ich das ganze erneut reviewen.